In voller Armbereitschaft

Winke-Winke: Ria und Friedel Gries zeigen an ihrem Küchenfenster ähnlichen Einsatz wie die beiden Opis von der „Muppet's Show“

Morgens zwischen 8 und 9 Uhr ist es am extremsten. Da hebt sich der Arm zum Dauersalut. Winke, winke nach rechts, winke, winke nach links. „Guten Morgen, na, wie geht's?“ „Och ja, gut.“

Friedel und Ria Gries gehören ins Martinsviertel, wie die beiden zeternden Opis in die Muppets-Show. Nur, daß diese beiden netten Leutchen sich nicht in kritischem Genörgel über ihr Umfeld ergehen. Tagtäglich hocken sie an ihrem Küchenfenster in der Heinheimer Straße, erster Stock, gleich über der Fast-food-Hähnchenbraterei - grüßen Gott und die Welt und plaudern mit der vorbeischlendernden Nachbarschaft oder alten Bekannten. Darauf ist Verlaß. „Wenn 's Fenster net uf ist, frage se, ,wo ward er denn?'“, erzählt Friedel Gries.

Ihr „Beobachtungsposten“, wie die beiden das Plätzchen nennen, ist - wie sich´s gehört - per Kissenauflage auf dem Fensterbrett verweiltauglich ausgestattet. Jeder hat seinen Platz: Links das kleine blaue Kissen für sie, rechts das rot-schwarze für ihn. „Is doch e schee Plätzche“, findet Ria Gries . Denn: „Da hat mer alles im Blick.“ Da kann Ehemann Friedel nur zustimmen. „Ich brauch Luft, muß immer mal wieder de Wersching raushänge.“ Er könne hier stundenlang sitzen.

Die Heinheimer Straße ist ordentlich befahren. Alle Viertelstunde kommt ein Bus vorbei. Selbst die in der Küche plazierten Piepmätze Itzig („des is 'n Freche, so 'n Dunnerkeil“), Peterche oder Bubiche vermögen kaum, gegen den Straßenlärm anzutrillern. Doch der Geräuschpegel von unten stört die beiden nicht die Bohne. „Mir macht der Verkehr nix aus“, sagt sie und bekennt: „Wenn mir im Urlaub sind, fehlt er mir sogar.“

Seit 1970 bewohnt das Ehepaar die Wohnung in der Heinheimer Straße. Er ist ein echter Heiner, sie kommt aus Rheinhessen. 1952 hätten sie sich kennengelernt - „nein, des war 1951“, korrigiert sie ihn. Ach so, na ja. Jedenfalls war sie damals Hausmädchen beim Wein-Stütz. Und er „Weißbinder beim Klein“. „Aus 'm Watzeverdel kriegt uns kaaner mehr“, erklären sie, ganz Stadtteilpatrioten, ihre enge Verbundenheit mit dem Viertel. Bis vor zwei Jahren waren beide Mitglied im Bezirksverein, haben schon beim ersten Bürgerschoppen vor Jahren und bei der Martinskerb hungrige Mäuler mit Bratwurst versorgt, bis der Schaustellerverband das übernahm. Aus dem Bezirksverein seien sie inzwischen ausgetreten - aber das sei eine andere Geschichte. Aktive Martinsvierteler sind sie immer noch und pilgern regelmäßig in die Martinsgemeinde. Er zum Männerkreis, sie zum Bastelkreis - beides ordentlich vermerkt im Küchenkalender. Und bei schönem Wetter geht's in den heißgeliebten Garten.

„Irgendwann mach ich ihr 'n Papparm mit Kordel dran“, scherzt Ehemann Friedel, wenn er an das tägliche Gewinke denkt. Doch im Moment befinden sich die beiden noch in voller Armbereitschaft.