Ein Wirbelwind im Reihenhauskeller

Der elfjährige „Jugend musiziert-Preisträger Maxi Appel und seine tönende Schlagzeugleidenschaft

Aus dem Haus mit der Nummer 5b dringt wohl akzentuiertes Gepolter. Im Innern vibriert das Parkett. „Spüren Sie's?“, will Mutter Christina wissen, und diese Frage kann man nur bejahen. Eine Waschmaschine beim Schleudern? Ein Hufschmied beim Beschlagen? Weder noch. Ein „Jugend musiziert“-Preisträger bei der Arbeit.

Im Übungskeller des Reihenhauses in Nieder-Modau taktiert der Elfjährige wie ein Wirbelwind . Umgeben von seinem Schlagzeug fegt er hoch konzentriert über Becken und Trommeln. Sein Name: Maximilian Felix Appel, genannt Maxi. Das heißt „der Größte“, erklärt der aufgeweckte Elfjährige mit dem Lausbubengesicht - „aber ich will hier ja nicht für mich Werbung machen“. Mutter Christina hat da weniger Probleme. Stolz merkt sie an: „Wir machen alle gerne Musik, aber er ist unser Topmann.“

Schon als Einjähriger habe ihr Sohn auf allem herumgetrommelt, was ihm in die Quere kam. Was zunächst Bauklötze erledigten, dafür mussten später Kochlöffel, Töpfe oder das elterliche Bettgestell herhalten. Das steht noch. Doch ansonsten gibt der Jungtrommler ungeniert zu Protokoll: „Alles, was aus Holz war, habe ich kaputt gehau'n.“ Für die Eltern war das ein Grund, das Talent ihres Sprösslings zu fördern. Mit drei Jahren bekam er sein erstes Schlagzeug. „Wir hör'n das total gern“, versichert die Mama. Und die Nachbarn? „Die tragen's mit Fassung. Da muss man sich eben ein bisschen arrangieren.“

Wer Maxis Schaffen als Krach abtut, der irrt. „Roll's Rock“, heißt das Stück von Eckhard Kopetzki, mit dem sich der Schüler der Darmstädter Akademie für Tonkunst vor gut einer Woche beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ den ersten Platz erspielte - nach Noten. Doch der pfiffige Schlagzeuger improvisiert auch gern. Die Abwechslung ist es, die ihn reizt. „Man kann was Klassisches spielen oder Heavy Metal, das finde ich faszinös.“

„Sich auslassen, mal seine Wut rauslassen“, beschreibt er die Momente, in denen man den Proberaum wegen der Gefahr irreparabler Ohrschäden (Maxi warnt: „das Crash-Becken kann so laut wie'n Düsenjet werden!“) nur mit Kopfhörer betreten sollte. „Und wenn ich mich ausgetobt habe, spiele ich knifflige Sachen.“ Zum Beispiel die groovigen Funk-Stücke, die ihm sein Lehrer Thomas Weiler mitgebracht hat - als Belohnung für seine tolle Leistung. Von seinen Eltern bekommt er dafür das heimische Schlagzeug aufgerüstet.

Spätestens dann wird es langsam eng im Keller. Denn das Multitalent spielt außerdem noch Xylofon, Vibrafon, Kesselpauken und Klavier. Darüber hinaus bastelt er - Zwillen, Funkanlagen, Staudämme. Kochen kann er auch. Und regelmäßig liest er Zeitung - am liebsten was über Verbrechen. Wie die Mama schon feststellte: „ein Topmann“. Oder, um es in Maxis Worten auszudrücken: ganz schön „faszinös“.