Alexandra Welsch, freie Journalistin
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Die Rettung des Auspuffrohrs

Aura eines Salatkopfs, Elend einer Straße

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Die Rettung des Auspuffrohrs

Im Landesmuseum hat jemand Sperrmüll abgeladen. Ein alter Autositz mit einem Buch darauf, ein Radio auf einer Schatztruhe, ein Rucksack, eine Terpentindose, eine Milchflasche, rote Pumps, Seife, Flasche, Totenkopf . . . - an die siebzig Dinge verdichten sich auf einem etwa fünfzehn Quadratmeter großen Platz zu einer Gegenstandsanhäufung. "Wie Sperrmüll", findet auch die Betrachterin, die davor stehen bleibt.

Glücklicherweise befindet sich diese geballte Gegenständlichkeit im Museum, denn so weiß die durch die Räume schlendernde Frau von vornherein, dass es sich dabei um Kunst handelt. Kunst der beiden Schweizer Peter Fischli und David Weiss aus dem Jahre 1983. "Da hinten, was ist denn das? Schwimmflossen?", fragt sich die Frau. Ja, auch Schwimmflossen stehen dabei. "Und ein Fisch - 'ne Forelle, oder?" Sieht ganz so aus. "Und ein Farbeimer sogar." Sogar das. "Sehenswert, ich find's schön", befindet sie abschließend, lässt vorher aber noch einen pädagogischen Tipp im Raum stehen: "Interessant auch für Kindergärten oder Schulklassen."

Das dachte sich wohl auch der Lehrer, der mit einer solchen gerade die Halle betreten hat. "Was is'n des?", fragt ein Mädchen zunächst irritiert. Doch schon setzt der Effekt ein, der dieses ausladende Stück Kunst zwingenderweise interessant macht: Es gibt viel zu entdecken. Wie in einem Suchbild, bei dem man ununterbrochen fündig wird. "Guck mal, da is'n Krokodil", ruft ein Junge und deutet darauf. "Ja, und ein Benzinkanister", sagt sein Freund - als sei er froh, dass er weiß, wie das Ding heißt. Leider hindert ihn die mit enervierendem "Piep" zeternde Alarmanlage daran, das Ding auch anzufassen. Dann nämlich würde er merken, dass es sich keinesfalls so anfühlt, wie es aussieht. Sondern wie Polyurethanschaum. Das Künstlerduo hat ihn durch Einsatz vornehmlich gedeckter Farben täuschend wirklichkeitsnah und leicht angestaubt in Szene gesetzt. Als Holz, als Metall, als Textil.

Doch es bleibt Kunststoff. Das Wissen darum macht die Objekte interessant - nicht, wie sie aussehen. Spannungsfeld Schein und Sein. Hinzu kommt der Titel: "Floß". Auf einem solchen sind die Gegenstände drapiert und das öffnet Raum für weitere Spekulationen. Als traditionelles Bildmotiv symbolisiert ein Floß die Rettung nach einem Schiffsbruch. Absurderweise werden hier jedoch ein Gartenzwerg, ein Auspuffrohr oder eine Axt gerettet. Menschen befinden sich auf dem treibenden Floß nicht. Als Lebewesen fungieren eine Sau mit sechs Ferkeln, eine Maus oder die Nilpferde und Krokodile, die aus dem grauen Museumsteppichboden auftauchen und auf das Floß zuschwimmen. Gefahr?

Es ist nicht schwer zu erahnen, dass Fischli und Weiss mit ihrem Floß den Überfluss und die Orientierungslosigkeit der Konsumgesellschaft thematisieren. Das steckt im Bild: dem Floß, das richtungslos irgendwo hintreibt oder aber gleich untergeht, weil es viel zu überladen ist. Und das steckt im verwendeten Kunststoff: dem Material, das die moderne Zivilgesellschaft in den Händen hält - gleich, ob sie zum Telefon greift, zur Zahnbürste oder zum Automatenkaffee. Ein Rettungsring befindet sich übrigens auch auf dem Floß. Doch helfen wird der wohl kaum. Ist er doch nur aus bemaltem Kunststoff.