Alexandra Welsch, freie Journalistin
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Stimme aus der Hose

"Der ist so doof, dass es knallt." Ob dieser Spruch aus dem Jugendjargon Pate gestanden hat für den Titel? "Knallharte Jungs " von Granz Henman jedenfalls ist alles andere als ein Film mit Verstand. Gut, es ist eine Teenager-Komödie. Gut, Jugendliche genießen Narrenfreiheit und dürfen auch mal doof sein. Aber muss es so doof sein?

Flo (Tobias Schenke) hat ein Problem: Etwas spricht zu ihm. Zwingt ihn, Dinge zu tun, die er eigentlich gar nicht will. Ordinäre Dinge. In der Öffentlichkeit. "Los, Tittengrapschtest", befiehlt die Stimme aus dem Off. Oder schlichter: "Geh' ran!" Dieses Etwas ist nicht zu bändigen. Und er kann es auch nicht einfach links liegen lassen. Es ist nämlich an ihm dran. Die Kamera schwenkt zum Reißverschluss seiner Jeans, hinter dem sich der nervende Übeltäter verbirgt: Es ist sein pubertierender Penis - der fleischliche Faden, an dem die ganze Geschichte herumbaumelt.

Er will nur Sex, doch Flo will mehr: Maya Paradis (Diana Amft) heißt das Mädchen mit dem blonden Engelshaar, in das er verliebt ist. Unvorteilhafterweise hält sie ihn für einen perversen Idioten. Das liegt daran, dass sich Flo genauso verhält. Er hört sich nämlich die genitalen Vorschläge von unter der Gürtellinie nicht nur an, sondern führt sie auch stets aus - obwohl er eigentlich ein netter Kerl ist. Warum tut er das eigentlich, könnte man fragen? Damit die Geschichte funktioniert, könnte man antworten.

Deswegen gibt es auch Red Bull (Axel Stein). So heißt Flos bester Freund, der ihm stets mit Rat und Tat zur Seite steht. Doch dessen gleichfalls triebgeleiteten Hilfestellungen enden genauso im Desaster: Das geliehene Pornoheft verschafft Flo nicht Erleichterung, sondern ein Trauma, und das Austernpulver löst bei der Geliebten keine aphrodisische Wirkung aus, sondern einen allergischen Schock. Das Chaosprinzip erreicht seinen Höhepunkt, als die 99 Jahre alte Oma von Maya mit einem Massagestab die verstopfte Toilette bearbeitet und schließlich jede Menge Fäkalien durch das Bad spritzen. Macht aber alles letztlich nichts, denn die Mädchen in dem Film sind sowieso durchweg dämlich und geben sich letztlich den Knallköpfen hin, die sie die ganze Zeit so bescheuert fanden.

"Knallharte Jungs "- übrigens die Fortsetzung von "Harte Jungs " - ist der Beweis, dass der Teenietrash der achtziger Jahre im Stile von "Eis am Stiel" in seiner Flachheit noch zu toppen ist. Der pubertierende Nachwuchs wird sich vermutlich vor Lachen auf die Schenkel klopfen. Und den Erwachsenen bleibt der eine Trost: Wenigstens sind die jungen Leute von der Straße weg, so lange sie im Kino sitzen.