Kritiken – Anreisser

Für einen Moment verharren sie in Dunkelheit. Eine Rückkopplung schwingt aus den Gitarrenboxen. Arme hoch, Licht an – die Gitarre surrt wie eine Wespe im Angriffsflug, das Schlagzeug poltert los, und Sänger Derrick Green drischt auf das Fell einer Extra-Standtrommel ein. Seine bis über die Hüfte hängenden Filzlocken wirbeln durch die Luft wie Peitschenriemen, sie machen ihrem Namen alle Ehre: „Dreadlocks“ sind nun mal „Schreckenslocken“.
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Kein „Hallo“, kein „guten Abend“, auch keine Einweisungen in der Art von „Sie dürfen zwischendrin klatschen“. Nein. Er läuft auf die Bühne, setzt sich hinter den Lesetisch und legt schnurstracks los mit forschem Ton: „Meine Großmutter hat immer zu mir gesagt, wenn du einmal stirbst, muss man das Maul extra erschlagen.“ So beginnt das erste Kapitel von „Der Brenner und der liebe Gott“, und sein Autor liest es an einem Stück zu Ende.
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Es ist verwunderlich, dass der Querdenker mit dem Vibrato des Wahnsinns in der kehlig-kräftigen Stimme  für ein ausverkauftes Haus gesorgt hat. Gut, er hat voriges Jahr den Deutschen Kleinkunstpreis für seine Musik gewonnen und ist durch Auftritte in der ZDF-Kabarettsendung „Neues aus der Anstalt“ bekannter geworden. Doch erscheint seine sperrige Kunst eigentlich zu subkulturell, um einem größeren Publikum zu gefallen.
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Manchmal ist ein Porträt gerade deshalb besonders aufregend, weil gar kein Gesicht zu sehen ist. Da lenkt ein Frauenbein die Aufmerksamkeit des Betrachters ganz auf sich, eine schlanke Fessel ragt aus dem dunklen Pelzrand eines hochhackigen, geschlossenen Damenschuhs in Schwarz. Man sieht das blanke Bein nicht mal hoch bis zum Knie, der obere Teil ist von einem Pelzmantel verdeckt. Und dennoch ergibt sich das Bild einer Frau – die sich edel kleidet, die eine mondäne Strenge umgibt und die mit weitem Schritt schreitet über den Platz vor dem Eiffelturm, der nur schemenhaft im Hintergrund auftaucht.
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Mit griechischer Gastronomie in Deutschland ist das so eine Sache. Die einen bleiben beharrlich zugeneigt, auch wenn die oft fleisch- und fettreichen Speisen wie Pflastersteine an den Magenwänden entlangzuschaben scheinen. Die anderen winken dankend ab, weil die mit gesundheitsbewusster Ernährung sozialisierten Verdauungstrakte so was einfach nicht mehr mitmachen. Und „Griechischer Wein“, das wusste Udo Jürgens bereits trefflich in die Worte seines melancholischen Sehnsuchtsschlagers zu packen, „ist so wie das Blut der Erde“ – ein bisschen süßlich und schwer, ganz wie die wohl nie verblassende Erinnerung an den ersten Vollrausch nach dem Genuss geharzten Retsinas. War das schlimm.
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