Tour de Fans

Die Tour de France ist ein traditionelles Sportereignis. Okay. Das ist ein Fußballspiel auch. Trotzdem rennen bei einem Fußballspiel nicht Horden von begeisterten Fans ekstatisch zwischen den Spielern rum, um ihr Dabeisein zu bekunden oder brüllen einem Stürmer beim Angriff anfeuernd ins Ohr ("Schieß, Du Sau!"). Fußballfans bleiben auf ihren Rängen. Sie zelebrieren Fangesänge, brennen bengalische Feuer ab und trinken Bier. Sie wahren den nötigen Abstand. Zumindest körperlich.

Tour-de-France-Fans nicht. Die benehmen sich wie Co-Trainer des Wahnsinns. Sie bilden eine enge Wir-sind-so-was-von-bei-euch-Gasse, durch die sich die Fahrer bei eh schon bis zu neun Prozent Steigung auch noch kämpfen müssen. Sie fuchteln ihnen mit Fahnen vor der Birne rum und klopfen ihnen auf die Schultern. Oder schütten ihnen Wasser über den Kopf. Würden sie statt dessen Feuerzeugbenzin nehmen und das Ganze anzünden, täten die Radsportler vielleicht noch turbomäßiger abgehen. Aber das wäre ja ganz schön respektlos.

Die Tour de France ist für die Fahrer wahrlich schon anstrengend genug. Aber sie ist nichts gegen die Tour de Fans. Vielleicht liegt es ja doch nicht am Doping, dass die Fahrer immer schneller ins Ziel kommen.