Fischers Witz

Schluß mit lustig, jetzt wird es ernst. Es gibt vorerst kein Zurück mehr. Der Schwur ist geleistet - wenn auch unter Ausschluß des Herrn im Himmel, so doch zumindest auf die Verfassung. Da ham'mer de Salat. Und der ist grün. Joschi goes Nadelstreifen. Oder: "Der unaufhaltsame Aufstieg des Josef Fischer", einst Joschka genannt. Ungewohnte Bilder erreichen da die fernsehende bundesrepublikanische Nation. Die ehemals rebellierende Turnschuhgeneration kommt jetzt in schwarzen Slippern daher. Und der staatsmännisch just angelegte Schlips pendelt dazu im Schrittempo. Deutschland schaut irritiert auf die Mattscheibe, und überall erklingt ein: "Ich kann ihn mir einfach nicht als Außenminister vorstellen."

Doch das sind nur Oberflächlichkeiten. Die wunderliche Metamorphose setzte bereits früher ein. Spätestens seit der grüne Chefsalat abgespeckt daherkam und die Außenwelt mit dem Antlitz einer vertrockneten Schildkröte schockierte, war nichts mehr, wie es war. Daß er bei seiner Hardcore-Abmagerungskur offensichtlich nicht nur Pfunde verlor, wird zunehmend klarer. Im Anschluß an die Wahl die überraschende Erklärung, man wolle ja schließlich keinen Systemwechsel und gar nichts großartig anders machen. Die Koalitionsverhandlungen verliefen geschmeidig. Fischer entpuppte sich als dekorativer Beistelltisch des neuen Kanzlers. Das Shakehands mit Frankreichs Premier Jospin funktionierte ebenfalls zufriedenstellend. Und auch bei der Wahl seiner neuen, um Jahrzehnte jüngeren Begleiterin reiht sich Joschka optimal in Bundesminister-Traditionen. Trotzdem: Fischers Witz bricht, wenn er frisch im Ausland mitmischt.