Alexandra Welsch, freie Journalistin
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Ein Flop bringt Geld

 
 

Ein Flop bringt Geld

Gespenstisch liegen die futuristischen Fahrsimulatoren in ihren Metallbetten. Groß wie Elefanten, an den Hinterteilen Zettel mit den Nummern 101, 102 und 103. Das Schild an der Wand warnt: "Nach dem Verlassen des Simulators kann es kurzzeitig zu leichten Gleichgewichtsstörungen kommen." Das kann den neuen Besitzern nur recht sein. Schließlich wollen sie die drei weißen Kolosse als Attraktion auf Jahrmärkten zum Einsatz bringen.

Doch zuvor müssen sie die Simulatoren selbst abbauen und in den Hunsrück transportieren. Von dort ist die Schaustellerfamilie Barth extra nach Rüsselsheim angereist. Der Grund: "Opel Live" kam am Dienstag unter den Hammer - nachdem der Freizeitpark nach knapp zweijähriger Laufzeit im Frühjahr seine Tore wegen mangelnder Publikumsresonanz wieder schließen musste. Für ihre Objekte der Begierde hat Familie Barth 400 000 Mark ausgegeben. "Das war günstig, sonst hätten wir's nicht genommen", erklärt die Familienmutter und geht zurück in die große Halle des Gebäudes K 48, wo die Chose über die Bühne ging.

Volker Ullmer wickelt ein Kabel auf. Er gehört zu dem Nieder Olmer Auktionshaus, das die Versteigerung zusammen mit einem Münchner Unternehmen organisiert hat. "Ein relativ schwieriges Unterfangen", befindet er. "Das sind spezielle Gegenstände, die man nicht tagtäglich verkauft." Stimmt. Wer stellt sich schon eine Geisterbahn ins Wohnzimmer? In welche Garage soll die zuglange Trambahn passen? Und in welchem Otto-Normal-Keller findet schon die überdimensionierte Carrerabahn Platz? Deswegen hat das Auktionshaus im Vorfeld gezielt geworben. 10 000 Werbeempfänger aus der ganzen Welt haben sie angesprochen und angeschrieben - vornehmlich Schausteller, Bühnengestalter oder Freizeitparkeigentümer. Familie Barth nicht. Sie hatten nur einen Tag vorher über einen Bekannten von der Versteigerung erfahren. "Wir konnten uns gar nicht richtig vorbereiten", erklärt die Ehefrau. Doch die Simulatoren waren zu verlockend. "Zwei haben wir schon", verrät sie.

Doch auch die anderen siebzig Bieter haben ganz schön abgegrast: Sechzig bis siebzig Prozent der Gegenstände seien verkauft, bilanziert Volker Ullmer gegen Mittag. Zu einer Summe im oberen sechsstelligen Bereich - konkretere Aussagen wollte er noch nicht treffen. Nur so viel: "Es ist erstaunlich gut gelaufen. Wir hatten eigentlich mit einem Flop gerechnet."

Die Reste von Opel live liegen nach dem Auktionsvormittag wie in einem verwaisten Death Valley in Gebäude K 48 auf dem Boden herum: Erloschene Scheinwerfer, ausgediente Garderobenständer und übrig gebliebene Kettcars stehen da wie bestellt und nicht abgeholt. "Die großen Teile waren besonders begehrt", erklärt Volker Ullmer. Doch auch auf dem Kleinkram soll Opel nicht sitzen bleiben. Volker Ullmer geschäftstüchtig: "Die Reste werden im Nachverkauf bestmöglich an den Mann gebracht." So kann selbst ein Flop noch Geld einbringen.