Fakten, Fakten und ein Funkloch

"Ich präsentiere Ihnen jetzt Fakten, Fakten, Fakten, und hoffe, daß Sie dann kaufen, kaufen, kaufen." Es war nicht "Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort, der das sagte - der kam erst später dran. Vielmehr stieg Manfred Hochhuth, Leiter der Darmstädter Telekom-Niederlassung, mit diesen Worten in die Werbepräsentation des größten deutschen Telekommunikationsunternehmens ein.

Er bestritt den ersten Teil des Programms auf dem Wirtschaftsforum, zu dem die Sparkasse am Dienstag abend in die Centralstation geladen hatte. Über dreihundert Gäste waren gekommen, um sich bei Sekt oder Selters anzuhören, warum es lohnend ist, Telekom-Aktien zu erwerben. Fast 180 000 Mitarbeiter, siebzig Milliarden Mark Umsatz im Jahr, fünfzig Milliarden Mark für den Aufbau Ost, neun Milliarden jährlich für neue Investitionen. So die Fakten, die Hochhuth im oberen Saal der Centralstation und mit Hilfe an die Wand geworfener Computergrafiken erläuterte.

Laut Hochhuth hat die Telekom in allen Schlüsselbereichen - etwa bei ISDN oder Mobilfunk - das Wachstum steigern können. Auch die T-Aktie entwickle sich, anders als Kritiker bei der Einführung im November 1996 erwartet hätten, erfreulich. Um trotz enormer Konkurrenz seit der Marktöffnung Anfang vorigen Jahres ihre Führungsstellung zu behaupten, fahre man mehrere Strategien: Personalabbau, Internationalisierung und Verbesserungen im Kundenservice. Als er von Qualitätssteigerung bei der Auskunft sprach, ging allerdings ein amüsiertes Lachen durch den Saal.

Stimmungshebend wirkte anschließend auch ein Handybesitzer aus Erzhausen, der ein Funkloch in seinem Wohnort beklagte. "Jetzt habe ich versucht, über diese Servicenummer Kontakt zu Ihnen aufzunehmen", sagte er zu Hochhuth, "das ist mir nicht gelungen." Von ähnlichen Schwierigkeiten beim Umgang mit Servicenummern der Telekom berichtete ein anderer Zuhörer, ebenfalls aus Erzhausen. "Ich glaube, wir müssen uns mal um Erzhausen kümmern", reagierte Helmut Markwort, aus Darmstadt stammend, da prompt. Es war nicht die einzige humorvolle Randbemerkung während seines etwa einstündigen Vortrags über "Die Macht der Medien", der eher einem unterhaltsamen Geplauder glich.

Dabei schlug er aber auch kritische Töne über die eigene Zunft, dem "Neugier- und Bewußtseinsgewerbe", an. "Jeder glaubt, wenn er die Tagesschau sieht, weiß er, was los ist in der Welt", stellte Markwort fest. Doch wenn man alle Meldungen einer Tagesschau zusammenschreibe, würde das nur eine dreiviertel Zeitungsseite mit Text füllen. Markwort betonte deshalb: Medienmacht ist Selektionsmacht. Ausschlaggebend sei, welche Nachrichten man hervorhebe, welche weglasse. Zwar würden die Medien durch ihre Berichterstattung die Politik beeinflussen - dies gelte aber auch umgekehrt. Dazu müsse man nur einen Blick in die mit Politikern besetzten Führungsetagen etlicher Fernsehanstalten werfen.