Am Anfang steht der Genuss

Wer die Tür aufmachte und eintrat, stand im Qualm. "Raucherecke", witzelten jene, die dort schnell noch eine Zigarette schmauchten. Na, bitte. Das Bild im Eingangsflur stand für eines von vielen Problemen, die fünf Stunden diskutiert werden sollten: Drogenmissbrauch. Wo fängt er an, und was kann man dagegen tun? Und zwar vorbeugend, also präventiv.

Eigentlich ist es einfach: Wer eine starke Persönlichkeit hat, greift nicht zu Drogen, um eine Lücke zu füllen. Und wer ausgeglichen und kreativ ist, löst Probleme ohne Gewalt. Das ist Tenor unter Sozialpädagogen und Psychologen. Was aber hat das Ganze mit Bewegung, mit Sport zu tun? Viel. Da waren sich die Teilnehmer der Präventionskonferenz des Kommunalen Präventionsrats Darmstadt (KPRD) am Mittwochabend in der Orangerie ebenfalls einig. Ihr Thema: "Prävention und Sport - zwischen Stillstand und Bewegung".

"Wenn es um Drogen geht, denken wir immer an die illegalen", bemängelte der Leichtathlet Dr. Harald Schmid, der die Kampagne "Kinder stark machen" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vorstellte. Er fragte ins Publikum: Wer raucht? Wer trinkt gerne mal ein Gläschen Rotwein? Und warum? "Genuss", bekannten die wenigen, die sich gemeldet hatten. Eben: "Am Anfang steht immer der Genuss, dann kippt es irgendwann um", sagte Schmid. Doch wie schreckt man Kinder vor Suchtmitteln ab, wenn selbst Erwachsene daran Spaß haben? Kinder brauchten positive Gefühls- und Erfolgserlebnisse, um stark zu werden. Dieser Effekt könne sich durch Sport einstellen.

"Sport und Bewegung haben nicht automatisch eine präventive Wirkung", sagte Guido Francescon von der Sportjugend Hessen. Er machte deutlich, dass es um mehr geht, als den Nachwuchs in Sportvereine zu schicken. Zwar würden Sportvereine grundsätzlich Jugendarbeit leisten, seien aber bei Gewalt- und Suchtprävention auf die Kooperation mit der professionellen Sozialpädagogik angewiesen. Trainingsleiter müssten sich Jugendlichen und deren Bedürfnissen auf sportlicher Ebene zuwenden, aber auch deren eigenes Engagement herausfordern.

Hans-Gunther Seifert von "K.O.B.R.A." - einem Zusammenschluss Darmstädter Jugendarbeitsträger - zielte in die gleiche Richtung. Er beklagte "das Ignorieren jugendlicher Kulturformen" und forderte eine Lobby für Jugendliche, die ab und zu schlicht "Dampf ablassen" wollten. Jugendliche wollen sich gern bewegen, doch "hierfür wollen sie nicht unbedingt einem Verein beitreten". Es gelte deshalb, ihnen Freiräume zu öffnen, in denen sie sich ausprägen können. Das machte auch Schuldezernentin Daniela Wagner deutlich: "Es muss auch für junge Leute mehr Verständnis geben."

Das Problem mit der Prävention ist: Man kann sie nicht messen, weil sie wirkt, bevor etwas messbar wird. "Sport und Prävention gehören untrennbar zusammen", sagte Sozialdezernent Gerd Grünewaldt bei der Podiumsdiskussion. Er erzählte von seinen drei sporttreibenden Söhne, denen das gut getan habe. Aber: "Ist es so, dass seine Söhne nur deshalb nicht kriminell wurden, weil sie sich bewegt haben?" fragte Moderator Dr. Leo Teuter. "Da haben natürlich eine Reihe anderer Dinge eine Rolle gespielt", meinte Guido Francescon, der nochmals betonte, die präventive Wirkung von Sport müsse entwickelt werden - von Sozialpädagogen und Sportvereinen. Lediglich zwei Vereine waren vertreten. Doch auch andere fehlten: Jugendliche.